GESCHICHTE MÜNCHHAUSENS (von Walter Holzapfel)

Um 420-200 v. Chr. Befestigte frühkeltische Siedlung (Fürstensitz) auf dem Christenberg. Um 200 v. Chr. wird die dicht besiedelte Befestigungsanlage nach einer großen Brandkatastrophe von ihren Bewohnern aufgegeben.
 
vom 7. bis 9. Jhd. Fränkische Reichsfestung "Kesterburg" auf dem Christenberg. Die Befestigungsanlage sichert die westlich im Tal bei Münchhausen verlaufende Wein- oder Wagenstraße (überregionale Handels- und Heeresstraße) und die Grenze zu den gegnerischen Sachsen.
778 n.Chr. findet nahe der Kesterburg, bei Laisa und Battenfeld, die Schlacht zwischen Franken und Sachsen statt. Hierbei dient die Festung als Operationsbasis.
In der 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts wird innerhalb der Kesterburg die erste steinerne Kirche(St. Martin) der Umgegend errichtet. In diesem Zeitabschnitt soll der Sage nach der angesächsische Missionar Bonifatius auf der Kesterburg gewirkt haben.
 
Im 8. Jh. Mönche der Abtei Amöneburg gründen vermutlich das Dorf Münchhausen oder benennen ein bereits bestehendes einfach nur um. Im Zuge der fränkischen Siedlungsmaßnahmen entstehen neben Münchhausen in der Umgegend weitere Dörfer u.a. Thalhausen, Rupertshausen (beides heute Wüstungen).
 
Um 850 n. Chr. Um 804 n. Chr. sind die Sachsen von den Franken endgültig unterworfen. Die Kesterburg ist dadurch bedeutungslos und wird daher in der Mitte des 9. Jahrhunderts aufgegeben.
Die kirchlichen Einrichtungen verbleiben jedoch weiterhin auf dem Berge, mit ihnen einige Krieger, die ihrem Schutze dienen. Die Kesterburg wird daraufhin vom fränkischen Reich an die Abtei Amöneburg übergeben.
 
Im 11. Jh. Die römisch-katholische Kirche führt eine neue Verwaltungsorganisation im weiteren und unserem näheren Bereich durch. So wird u.a. das Archidiakonat St. Stephan zu Mainz mit den beiden Dekanaten Amöneburg und Kesterburg eingerichtet. Der Dekanat Kesterburg umfaßt den gebietlichen Bereich von etwa Vöhl bis in den Breidenbacher Grund und nördlich Marburg sowie vom Wohratal bis ins Sieger- und Wittgensteiner Land. Außerdem wird der Sendbezirk Kesterburg gebildet. Auf der Kesterburg befindet sich jeweils der Sitz eines geistlichen und weltlichen Gerichtes. Letzteres wird später hinab ins Tal nach Münchhausen verlegt. An Stelle der frühmittelalterlichen Kirche wird nun eine neue Kirche, die etwas kleiner als die Vorgängerin ist, im romanischen Baustil errichtet.
 
Um 1120 Der Erzbischof erwirbt die Abtei Amöneburg mit Münchhausen und Kesterburg.
 
Um 1130 Aus dieser Zeit stammt eine Liste der zur Vogtei Ebsdorf gehörenden Dörfer. Es handelt sich um das Verzeichnis der Dörfer und Zehnten, die zur Präbende von St. Stephan zu Mainz zum Hof Ebsdorf gehören. Darunter befinden sich auch die Dörfer Münchhausen und Wollmar. Die Mainzer Handschrift trägt den Titel Augustinus De Trinitate. Sie ist keine Urkunde und wurde auch nicht mit einem Datum versehen. Da die Handschrift auf jeden Fall aber vor 1130 angefertigt wurde, kann laut Staatsarchiv Marburg “als Bezugspunkt für eventuelle Ortsjubiläen... somit das Jahr 1130 herangezogen werden”.
 
Im 12. und führen 13. Jhd. Drei Familien in Münchhausen üben sicherlich in der Verwaltung herrschaftlicher Güter des Erzbistums Mainz, der Grafen von Wittgenstein-Battenberg und der Landgrafen von Thüringen eine wichtige Funktion aus, die ihnen zu einem beträchtlichen Wohlstand verhelfen. Teils aus späteren Urkunden geht hervor, daß sie die zentralen Höfe dieser Grundherrschaften innehatten.
 
1213 Die Grafen von Wittgenstein-Battenberg müssen nach vorausgegangenen Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof von Mainz die mainzischen Güter in Münchhausen, die zur ehemaligen Abtei Amöneburg gehörten, an diesen zurückgeben und Verzicht leisten. Das alte Lehnsverhältnis zwischen dem Erzbischof von Mainz und den Grafen von Wittgenstein-Battenberg wird wieder hergestellt.
 
1225 Das Stift St. Stephan zu Mainz belohnt verdiente Ritter mit Gütern in Münchhausen und Wollmar. In der Urkunde wird u.a. erwähnt: “Guntram von Schweinsberg und Ludwig Vogt von Fronhausen, Edle Ritter und Brüder zu Marburg, Dienstleute des Stifts St. Stephan zu Mainz, haben den Zehnten in Münchhausen und Wollmar von dem Stift zu Mannlehen, worüber Leihebriefe vorhanden sind”.
 
1227 Obwohl der Christenberg, der bis ins 15./16. Jh. hinein Kesterburg heißt, nachweislich durch archäologische Zeugnisse eine frühzeitige und wichtige geschichtliche Bedeutung hat, tritt er dagegen urkundlich relativ spät in Erscheinung. In einer Urkunde wird der Christenberg zunächst als “Kestelburg” -Kesterburg- erwähnt.
 
1230/50 Die drei Familien Osperti (von) Münchhausen, von Münchhausen und von Rupertshausen (später von Münchhausen) treten in Marburg und Frankenberg und in den folgenden Generationen noch in weiteren hessischen Städten auf. Sie nehmen, besonders in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, eine bisweilen bestimmende Stellung in der Verwaltung dieser Städte ein.
 
1238 Das Archidiakonat des Stephansstift zu Mainz nimmt eine Umorganisierung vor. Aus dem westlichen Teil vom Dekanat Kesterburg, das Sieger- und Wittgensteiner Land, wird nunmehr der Dekanat Arfeld gebildet.
 
Im 13. Jh. Da die Martinskirche auf dem Christenberg bei großen Kirchenfesten die Gläubigen nicht alle fassen kann, wird an der Südwand des Langhauses eine Außenkanzel angefügt. So finden dann die Gottesdienste im Freien statt.
 
1291 Die Grafen von Battenberg stellen erfolglos Anspruch auf das als Mainzer Lehen angesehene mainzische Gericht Münchhausen. Das Gericht hat die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Zu dieser Zeit erfolgt, soweit bekannt, die erstmalige Erwähnung des Gerichts Münchhausen.
 
1296 Graf Hermann von Battenberg verkauft dem Erzbischof von Mainz seine Grafschaft zur Alleinherrschaft. Das Gericht Münchhausen wird darauf dem neu geschaffenen mainzischen Amt Battenberg unterstellt.
 
1324/26 Dem Erzstift Mainz stehen Einkünfte für das merkitrecht (= Marktrecht ?) in Münchhausen zu. In Münchhausen finden also Märkte statt.
 
1399 Die Herren von Hatzfeld inkooperieren die St. Martinskirche auf der Kesterburg der Johanniterkommende zu Wiesenfeld. Während das Ordenshaus die kirchlichen Geschäfte führt, bleibt das Patronatsrecht bei den Herren von Hatzfeld.
 
Im 15. Jh. Die Kirche St. Marien zu Münchhausen wird neu erbaut. Zumindest der bis ins 20. Jh. erhaltene spätgotische Chorturm der Kirche stammt aus dieser Zeit.Vom Langhaus gibt es heutzutage keine Spuren mehr.
 
1464 Verpfändet der Erzbischof von Mainz u.a. das Amt Battenberg an den Landgrafen von Hessen. Dadurch kommt auch das Gericht Münchhausen an Hessen.
 
Im 15. Jh. Münchhausen ist dem Dekanat Kesterburg zugehörig. Um 1500: Die letzten Vertreter der Familie von Münchhausen werden in Fritzlar und Rauschenberg erwähnt.
 
1502 Bei Angaben der Bewohner von Münchhausen werden 30 Männer genannt. Sicherlich handelt es sich dabei um die Haushaltsvorstände.
 
Um 1500 Viele Menschen in Münchhausen erkranken an einer Seuche, und es gibt zahleiche Todesopfer. Deshalb zieht Pfarrer Gottfried Wiegander zunächst nur vorübergehend von der Kesterburg hinab nach Münchhausen.
 
1503 Die ganze Dechanei auf der Kesterburg wird durch einen Brand völlig zerstört. Daraufhin erfolgt die Verlegung des Pfarrsitzes nach Münchhausen, und es wird ein neues Pfarrgehöft auf St. Peters Grund erbaut. Für den Opfermann (Küster) auf der Kesterburg wird ein neues Haus errichtet.
 
1520 Auf der Kesterburg soll eine neue Kirche erbaut werden. Deshalb wird zunächst die romanische Apsis abgerissen und eine neue im spätgotischen Stil errichtet. Wohl durch die sich anbahnende Reformation bleibt der weitere Kirchenbau jedoch liegen.
 
1522 Die römisch-katholische Kirche befindet sich im gewaltigen Umbruch. Der Dekanat und Sendbezirk Kesterburg werden aufgehoben. Es bleibt nur noch das Kirchspiel Kesterburg-Christenberg.
 
Am 23. Jan. 1527 In der hiesigen Gegend wird die Reformation offiziell eingeführt. Das bisher römisch-katholische Kirchspiel wird nunmehr evangelisch. Erster evangelischer Pfarrer wird Johannes Althaus.
 
1568 Die erste älteste erhaltene Grenzbeschreibung für Münchhausen datiert vermutlich in diese Zeit.
 
1597 560 Menschen fallen während der Amtszeit des Pfarrers Wigand Mog im Kirchspiel Kesterburg-Christenberg der Pest zum Opfer.
 
1683 Der früheste Beleg für die Einrichtung des Münchhäuser Grenzganges datiert in diese Zeit.
 
1788 Auf höchster Anordnung hin wird für Münchhausen eine Spezialbeschreibung verfaßt. Es handelt sich um das “Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorfschaft Münchhausen, Ober- und Mittelsimtshausen Amts Wetter” mit einer Katastervorbeschreibung.
 
Am 11. Nov. 1810 Von nun an gibt es freie Menschen in unserem Land. Die Leibeigenschaft wird aufgehoben. Die Aufhebung der Fronherrschaft erfolgt auch, aber nur mit gewissen Einschränkungen. Die Abgaben der Bauern an die Grundherren bleiben weiterhin.
 
1817/1818 Die Martinskirche auf dem Christenberg hat starke Schäden. Es erfolgt eine entsprechende Sanierung und Renovierung. Außerdem wird die Kirche umgebaut und innen neu gestaltet.
 
1821 Das Gericht Münchhausen besteht vom Mittelalter bis zum Jahre 1821.
 
1832-1889 In diesem Zeitraum erfolgt die sogenannte “Ablösung” , d.h leisten die Bauern Abstandszahlungen an ehemalige Grundherren.
 
1890 Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke Sarnau-Frankenberg erfolgt die Einweihung. In der Gemarkung Münchhausen befinden sich je ein Bahnhof in Münchhausen und in Simtshausen.
 
1910-12 Die Umlegung (Flurbereinigung) wird in der Gemarkung durchgeführt. Der Abschluß der Maßnahme erfolgt allerdings erst in 1920.
 
1914 Bau der Wasserversorgungsanlage in Münchhausen.
 
1914-1918 1. Weltkrieg.
 
1918/19 Münchhausen wird an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.
 
1925 Von der Gemeinde Münchhausen werden die Ortsteile Ober-und Mittelsimtshausen sowie Schlagpfütze abgetrennt. Sie bilden von da an die selbständige Gemeinde Simtshausen.
 
31.Juli 1938 Die Gemeinde Münchhausen weiht das fertiggestellte Waldschwimmbad ein.
 
1939-1945 2. Weltkrieg.
 
1946 Zahlreiche Heimatvertriebene und Evakuierte kommen nach Kriegsende nach Münchhausen und werden hier untergebracht.
 
1953/54 Die Martinskirche auf dem Christenberg wird umfassend renoviert und saniert sowie teilweise restauriert. Im Kircheninnern finden archäologische Ausgrabungen statt. Man findet u.a. Relikte einer frühmittelalterlichen Saalkirche. Die Ausgrabungsarbeiten werden u.a. von B. Görge und Dr. Hans Feldtkeller durchgeführt.
 
16. April 1962 Im Rahmen der Landschulreform erfolgt die Gründung des Schulverbandes “Oberes Wetschaftstal”.
 
1964-70 Das Amt für Bodenaltertümer in Marburg führt unter der Leitung von Dr. Rolf Gensen archäologische Ausgrabungen auf dem Christenberg durch, die für die Wissenschaft völlig neue und spektakuläre Erkenntnisse bringen. Die Geschichte des Christenberges muß in vielen Teilen neu definiert und umgeschrieben werden.
 
15. Mai 1965 Die Mittelpunktschule des Schulverbandes “Oberes Wetschaftstal” wird eingeweiht.
 
6. Juli 1968 Der Schulverband “Oberes Wetschaftstal” weiht die Turnhalle der Mittelpunktschule Münchhausen ein.
 

1968

Auf dem Christenberg erfolgt die Fertigstellung der Friedhofshalle.
 
1. Juli 1974 Durch die kommunale Gebietsreform wird die Großgemeinde Münchhausen am Christenberg geschaffen. Zur Gemeinde gehören die bisher selbständigen Orte Münchhausen, Simtshausen, Nieder- und Oberasphe sowie Wollmar.
 
15. Dez. 1974 Der Neubau der Ev. Pfarrkirche und des Gemeindezentrums in Münchhausen wird eingeweiht.
 
1. März 1975 Als erster hauptamtlicher Bürgermeister wird Wilfried Carle gewählt.
 
7. Juni 1979 Die Grundwasserentnahme aus dem Tiefbrunnen Thalhausen wird genehmigt. Entsprechende Baumaßnahmen werden in der Folgezeit durchgeführt. Somit ist die Wasserversorgung für Münchhausen gesichert.
 
1986 Die alte Grenzgangstradition wird auf Initiative von Ortsvorsteher Adolf Riemenschneider wieder aufgenommen.
 
1988/89 Die begonnenen Arbeiten zur Friedhofserweiterung auf dem Christenberg werden unterbrochen, da zunächst archäologische Notgrabungen im vorgesehenen Belegungsareal erfolgen müssen. Diese erbringen weitere und neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Berges. Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abt. Vor- u. Frühgeschichte, Marburg, unter der Leitung von Dr. Philipp Ille, vorgenommen. Nach den Ausgrabungen werden die unterbrochenen Erweiterungsarbeiten im Bereich des neuen Friedhofsbereiches fortgeführt.
 
1990-99 In Münchhausen wird die Dorferneuerung durchgeführt. Öffentliche und private Bauprojekte bereichern das Ortsbild von Münchhausen.
 
Im Februar 1999 Der langjährige Bürgermeister Wilfried Carle übergibt das Amt des Bürgermeisters an seinen Nachfolger Peter Funk.
 
Januar 2000 In Münchhausen leben derzeit 1261 Einwohner.
 
15. -18. Sept. 2000 Münchhausen feiert das Grenzgangfest 2000.
 
24. Sept. 2000 Der Kindergarten "Kesterburg" wird eingeweiht.