GESCHICHTE NIEDERASPHES (von Walter Holzapfel)

11. Mai 1108 Erzbischof Ruthard von Mainz wandelt das von Erzbischof Williges gegründete Chorherrenstift Disibodenberg in eine Benediktinerabtei um und schenkt u.a. in Frohnhausen und Asphe (?) befindliche Güter, die vorher teilweise im Besitz des Heinrich von Klingenberg gewesen waren.
 
1130 In einer Liste sind die zur Vogtei Ebsdorf gehörenden Dörfer und Zehnten, die zur Präbende von St. Stephan zu Mainz zum Hof Ebsdorf gehören verzeichnet. Darunter befinden sich u.a. neben den Dörfern Münchhausen und Wollmar auch Niederasphe (Ahsepho) und Buttelhausen (Buddelhusun) (siehe auch unter Geschichte Münchhausens).
 
Um 1200/1220 Der Ort Rindshausen, Ringshausen, wird erstmals als Ringenhusen erwähnt. Um diese Zeit verfügt das Stift Wetter über ein Mannlehen von 1 Hufe in diesem Ort bei Niederasphe
 
1263-83 Bezüglich der Zuwendung aus dem Dörfchen Struth an das Kloster Caldern bestehen Streitigkeiten.
 
1270 Die von Hohenfels erhalten in Asphe die Hälfte des Zehnten in Erbpacht, und die aus dem Stiftsbesitz anfallenden Zinsen sind seit 1249 an die Landgrafen verpachtet.
 
1287 Erstmals wird einwandfrei Nieder-Asphe als Villa Asphe inferior erwähnt. Ums Jahr 1287 verkauft die Witwe Kunigunde des Heinrich Spedel, die nach dem Tode ihres priesterlichen Sohnes Friedemar, den Schleier genommen hat, alle ihre Güter in Nieder-Asphe an das Deutschordenshaus zu Marburg und beschließt ihr Leben im Chorherrenstift Schiffenberg bei Gießen.
 
1308 Werner von Hohenfels verkauft Güterbesitz im Ort an das Kloster Caldern.
 
Im 14. Jh. Der wuchtige Kirchturm (Wehrturm) der Ev. Pfarrkirche wird im gotischen Stil errichtet. Es ist anzunehmen, daß sich an dieser Stelle bereits eine Vorgängerkirche (Kapelle) befunden hat. Im Bereich der Kirche befindet sich die Burg der von Hohenfels (Niederaspher Linie).
 
1395-1556 Die Adligen von Hohenfels werden in Niederasphe urkundlich erwähnt.
 
Um 1400-1500 Verschiedene Ortschaften in der Grafschaft Wetter werden aufgegeben, darunter auch Buttel- bzw. Bittelhausen und Rinds- bzw. Ringshausen.
 
Im 15. Jh. Das zweischiffige symmetrische Hallenlanghaus wird errichtet, d.h. dem vorhandenen Kirchturm angefügt.
 
Im 15. Jh. und früher Eine Landwehr der hessischen Binnenhege schützt die Dörfer Simtshausen und Niederasphe.
 
Im 15. Jh. Niederasphe ist dem Dekanat Kesterburg zugehörig.
 
Um 1550 Unter-Simtshausen wird um die Riedmühle herum gegründet.
 
1570 Im Saalbuch werden die Höfe und 1580 die Einwohner von Niederasphe aufgezählt bzw. genannt.
 
1577 Ein Burgsitz der von Hatzfeld in Niederasphe wird erwähnt.
1623-24 Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) tritt auch in Niederasphe die Pest auf. Innerhalb von 9 Monaten (von Januar bis September) sterben hieran über 80 Menschen.
 
1623 Ein vierunddreißigjähriger Bauer aus Niederasphe wird wegen Widerstandes gegen berittene Soldaten geschlagen und zuletzt erschossen.
 
1646-84 Helwig Fuhr ist Pfarrer in Niederasphe. Während seiner Amtszeit kommt es zu einem eigenartigen Prozeß zwischen ihm und der Gemeinde. Es geht um die Ableistung von Hand- und Spanndienst für den Pfarrer. Fuhr gewinnt 1662 den Prozeß, jedoch verweigern die Niederaspher weiterhin den Hand- und Spanndienst für ihn.
 
1717 Das Geschlecht von Dersch, welches das Patronatsrecht der Niederaspher Kirche innehat, stirbt aus. Daraufhin fällt das Patronatsrecht dem hessischen Landgrafen zu.
 
Am 10. Juni 1759 Pfarrer Heilmann kann am Fest Trinitatis kein Gottesdienst halten, weil während den unruhigen Zeiten des Siebenjährigen Krieges (1756-63) 4 Kompagnien Gendarmes von Boulingen sich in Niederasphe einlogierten und viel Aufruhr verursachen. Sie marschieren am anderen Tag wieder fort und nehmen den Pfarrer bis nach Geismar mit. Dort kommt er in Arrest bis ein Vorspann gestellt wird. Hiernach wird er freigelassen.
 
Am 29. Aug. 1759 Wieder kommt eine Armee nach Niederasphe, diesesmal bestehend aus Engländern, Hannoveranern, Hessen, Braunschweigern und Bückeburgern. Der Pfarrer Heilmann wird nochmals als Geisel genommen. Er muß wieder für Vorspann sorgen, welches ihm durch den Starrsinn und Ungehorhorsam der Gemeindemitglieder sehr erschwert wird.
 
1789 Es wird u.a. erwähnt, daß die Mühle in der Ohe (Aue) zum Dorf Niederasphe gehört.
 
Um 1821 Den “Schwarzen Blattern” fallen 20 erwachsene Niederaspher zum Opfer.
 
1832-1889 In diesem Zeitraum erfolgt die sogenannte “Ablösung”, d.h. leisten die Bauern Abstandszahlungen an ehemalige Grundherren.
 
1842 Das Schulhaus in der Hauptstraße wird errichtet.
 
1890 1. Okt. Die Kinder von Unter-Simtshausen werden endgültig der Schule in Ober-Simtshausen zugewiesen.
 
1902 Um 2 Joche wird die Ev. Pfarrkirche auf der westlichen Giebelseite vergrößert. Außerdem wird ein halbrunder Treppenturm angefügt. Die Kirche erhält eine neue Orgel, und die Einweihung findet am 9. November statt.
 
1904-06 Die Asphe wird durch die Aue verlegt. Die Holzstege verschwinden nun für immer. Das bisherige Flußbett wird zur Straße (Bachstraße) hergerichtet.
 
1910-14 In der Niederaspher Gemarkung erfolgt die Umlegung (Flurbereinigung).
 
1914-18 1. Weltkrieg.
 
1922 In Niederasphe wird eine Lichtgenossenschaft gegründet und der Ort an das elektrische Stromnetz angeschlossen.
 
1929-1934 Niederasphe baut zusammen mit den Gemeinden Simtshausen, Todenhausen, Oberasphe und Wollmar eine Wasserversorgungsanlage. Der Schulborn in Ober-Simtshausen liefert das Wasser.
 
9. Okt. 1955 In Niederasphe wird das erste Dorfgemeinschaftshaus des Landkreises Marburg eingeweiht.
 
19.Nov. 1967 Die ersten beiden Schuljahrgänge werden in die Mittelpunktschule “Oberes Wetschaftstal” nach Münchhausen verlegt. Die oberen Jahrgänge waren schon Jahre zuvor nach Münchhausen übergesiedelt.
 
1. Juli 1974 Im Rahmen der kommunalen Gebietsreform werden die bisher selbständigen Orte Münchhausen, Simtshausen, Nieder-und Oberasphe sowie Wollmar zur neugebildeten Großgemeinde Münchhausen am Christenberg zusammengeschlossen
 
1975 Der Saal des Dorfgemeinschaftshauses wird baulich erweitert. Die Einweihungsfeier erfolgt am 14. Dezember 1975.
 
1982 Nach erfolgtem Ausbau der Kanalisation wird die Landesstraße Nr. 3090 (Friedhof- und Oberaspherstraße) in der Ortslage Niederasphe ausgebaut.
 
26. März 1987 Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist mit Planungen einer zentralen Mülldeponie befaßt. Er sucht hierfür einen geeigneten Standort. So gibt es planerische Überlegungen, diesen bei Niederasphe einzurichten. Hiergegen protestiert die Niederaspher Bevölkerung energisch. Um die Interessen des Ortes besser vertreten zu können, gründet sich eine Bürgerinitiative gegen einen Müllstandort bei Niederasphe. Die Proteste der Bürgerinitiative zeigen Erfolg. Die Mülldeponie wird abgewehrt.
Später gibt der Landkreis aufgrund eines neuen Müllentsorgungskonzeptes die Standortsuche endgültig auf.
 
24. Okt. 1987 Das Dorf Niederasphe feiert mit einem Festakt im Dorfgemeinschaftshaus die 700-Jahrfeier. Niederasphe erhält eine Ehrenmedaille des Landkreises Marburg-Biedenkopf und einen Ehrenbrief des hessischen Kultusministers.
 
1988/89 Beim Kefter in der Gemarkung von Niederasphe wird eine Kläranlage für die Orte Frohnhausen, Ober- und Niederasphe gebaut und nach Fertigstellung in Betrieb genommen.
 
Im Mai 2000 Nachdem vor Jahren Niederasphe in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen wurde, findet die Auftaktveranstaltung zur Realisierung der Dorferneuerung statt. Es werden verschiedene Arbeitsgruppen und der Arbeitskreis Dorferneuerung gegründet. Insgesamt ist für die Durchführung des Dorferneuerungsprogrammes ein Zeitrahmen von 9 Jahren gesetzt worden.
 
Januar 2000 In Niederasphe leben nun 893 Bürger.