GESCHICHTE WOLLMARS (von Walter Holzapfel)

Um 750/779 Bidanc schenkt in Wolemare, Wâlmare, die Hälfte seines Besitzes mit 20 Manzipien und deren Kindern an das Kloster Fulda.
 
Um 1130 In einer Liste sind die zur Vogtei Ebsdorf gehörenden Dörfer und Zehnten, die zur Präbende von St. Stephan zu Mainz zum Hof Ebsdorf gehören verzeichnet. Darunter befinden sich u.a. die Dörfer Münchhausen und Wollmar (siehe auch oben unter Münchhausen).
 
1. Sept. 1271 Landgräfin Sophie besiegelt zusammen mit der Stadt Marburg,daß Dechant und Kapitel des Stephansstifts den Brüdern Meingoz (Ritter) und Wigand von Ebsdorf ein Viertel der Zehnten in den Dörfern Münchhausen und Wollmar für jährlich vier Pfund Marburger Münze verpachten.
 
1309-1515 Die Herren von Hatzfeld sind mit einem landgräflichen Hof in Wollmar belehnt.
 
1374 Die von Diedenshausen zahlen Zinse von dem Zehntanteil zu Wollmar und Münchhausen an die Landgrafen. Der Zehntanteil entstammt wahrscheinlich erst der Mitgift der Margarete Schenk zu Schweinsberg
 
Im 15. Jh. Wollmar gehört zum Dekanat und Sendbezirk Kesterburg (Christenberg).
 
1502 Im Verzeichnis der Hausgesesse im Oberfürstentum werden als Einwohner von Wollmar 31 Männer genannt. Es handelt sich hierbei wohl um die Haushaltsvorstände.
 
1580 Die Bewohner der Dorfschaften Münchhausen und Wollmar müssen dem Landgrafen von Hessen jährlich ständigen Hauzins (Rottzins) in die Renterei Wetter entrichten, davon Münchhausen rund 2 Gulden und Wollmar rund 4 Gulden.
 
1639 Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) erfolgen durch schwedische Soldaten Brandschatzungen, Raub von Geld und Gut. So werden auch 39 Hämmel und Schafe geraubt. Als die geschädigten Wollmarschen Bauern nach dem Kriege (nach 1648) gegen die Frohnhäuser vor Gericht klagen, wird die Klage abgewiesen.
 
1659 Eine Witwe in Wollmar verbreitet das Gerücht, die Frau des Bauern Volpert Althaus, Catharina, und ihre ganze Freundschaft seien Hexen und Zauberer. Die Schwätzerin wird daher in Wetter vernommen, doch scheint diese Frau keine weitere Verfolgung erlitten zu haben.
 
1674 Die durch den Krieg hart betroffenen Bewohner Wollmars bitten um Erlassung von Steuern.
 
1682 Arme Wollmarer Einwohner beschweren sich gegen die Benachteiligungen und Bedrückungen durch die Reichen.
 
1730 Wollmar gehört neben Münchhausen, Ober-und Mittel-Simtshausen, Schlagpfütze und Christenberg zum Gericht Münchhausen.
 
1788 Wollmar hat 400 Einwohner. Hierunter befinden sich 16 Schmiede, 1 Schneider, 3 Müller, 4 Schäfer. Die Landwirte, die sicherlich die Mehrzahl der Bevölkerung bilden, sind bei der Aufzählung nicht mit berücksichtigt.
 
19. und 20. März 1827
 
Die alte Ev. Kirche in Wollmar wird abgebrochen.
 
28. Sept. 1828 Durch den Superintendeten Dr. Justi wird die neue Kirche eingeweiht. Die protestantische Predigtkirche hat in der Form des “amphitheatralischen Quersaals”, wie er hier vorliegt, wohl ihre “reinste Ausprägung” gefunden.
 
1832-1889 In diesem Zeitraum erfolgt die sogenannte “Ablösung”, d.h. leisten die Bauern Abstandszahlungen an ehemalige Grundherren.
 
1877 Die alte (“große”) Schule wird erbaut.
 
1885 Wollmar hat 608 Einwohner.
 
1895 Die Gemeinde Wollmar kauft den Pfarracker auf der Lehmkaute für 900 Mark zur Anlage eines neuen Friedhofes.
 
1902 Die neue (“kleine”) Schule wird errichtet.
 
1914-18 1. Weltkrieg.
 
1921 Die Gemeinde Wollmar wird an das Stromversorgungsnetz der EAM angeschlossen.
 
1922-25 In der Gemarkung Wollmar wird die Umlegung durchgeführt.
 
15. Dez. 1933 Wollmar erhält fließendes Wasser durch die Inbetriebnahme der Wasserversorgungsleitung, die mit einer Pumpstation in Simtshausen betrieben wird. Nach der endgültigen Fertigstellung der Wasserversorgungsanlage sind dieser neben Wollmar noch die Dörfer Simtshausen, Todenhausen, Niederasphe und Oberasphe angeschlossen.
 
1939-45 2. Weltkrieg.
 
1946 Auch der Ort Wollmar muß nach Kriegsende Heimatvertriebene und Evakuierte aufnehmen. Bis zu 236 Personen finden in Wollmar unterkunft.
 
16. April 1962 Im Rahmen der Landschulreform erfolgt die Gründung des Schulverbandes “Oberes Wetschaftstal”, dem Wollmar angehört. Am 15. Mai 1965 wird die Mittelpunktschule Münchhausen eingeweiht, welche jetzt die Schüler aus Wollmar besuchen. Ab 1966 geht auch das 4. Schuljahr nach dort. Im Juli 1968 erfolgt die endgültige Auflösung der Grundschule in Wollmar.
 
1. Juli 1974 Im Rahmen der kommunalen Gebietsreform werden die bisher selbständigen Orte Münchhausen, Simtshausen, Nieder-und Oberasphe sowie Wollmar zur neugebildeten Großgemeinde Münchhausen am Christenberg zusammengeschlossen.
 
16. Juni 1976 Das Dorfgemeinschaftshaus wird eingeweiht.
 
6. Juni 1981 Anläßlich des 1200-jährigen Ortsjubiläums findet im Dorfgemeinschaftshaus ein Festakt statt.
 
1999 Grenzgangfest in Wollmar. Das Fest findet nach alter Tradition alle 7 Jahre statt.
 
Januar 2000 Wollmar zählt nun 769 Einwohner.